* Susanne Regényi * Mobiles Westerntraining *

Was ist eigentlich der Reflex of Opposition und wie gehe ich damit in der Jungpferdeausbildung um?

Der Reflex of Opposition ist ein Instinkt und gehört zum angeborenen Fluchtverhalten eines Pferdes. Aufgrund dieses Reflexes reagieren Pferde bei Druck mit Gegendruck. Dieser Reflex ist genauso wie das Wegrennen überlebenswichtig. Wenn z. B. ein Raubtier auf dem Rücken sitzt, sich festkrallt und in den Hals beißt, drücken Pferde noch tiefer in diesen Biss. Würden sie das nicht tun, sondern z. B. den Hals wegziehen, würde Fleisch rausgerissen werden. So ist auch das durchgehende Pferd leicht erklärlich: Es reagiert auf den Druck vom Gebiss. Je mehr der Reiter zieht, desto mehr rennt das panische Pferd.

Dieses Fluchtverhalten kann den Menschen aber in allergrößte Gefahr bringen. Deswegen ist es wichtig die Jungpferdeausbildung von Anfang an so zu gestalten, dass unser Pferd lernt bei Druck nachzugeben. Je länger an diesem Thema konsequent gearbeitet wird, desto besser wird das Pferd lernen, die Fluchtreflexe durch "kulturtechnisches" Verhalten zu ersetzen. Beim Menschen würde man von Sozialisierung sprechen, denn nichts anderes ist eine Jungpferdeausbildung.
Resultat ist ein Pferd, welches dann, wenn es sich z. B. festgebunden am Strick "aufhängt" bei diesem Druck entspannt und wartet, bis es befreit wird, statt panisch zu reagieren.


Welche Aspekte sind bei der Jungpferdeausbildung zu beachten?


Die Jungpferdeausbildung berücksichtigt drei Themenbereiche, welche sich zwar in der Praxis immer wieder durchmischen, man sollte für sich aber klar haben, dass man genau auf diesen Ebenen mit dem jungen Pferd arbeiten muß:

a) Sozialisation in die menschliche Kultur
b) Erziehung (pädagogischer Teil)
c) Erlernen der Bodenarbeit + Reittechnik und deren Hilfengebung (Lektionen)

Zu a)

Dieser Aspekt ist unglaublich wichtig, denn ein Pferd ist nun einmal eine ganz andere Spezies als der Mensch mit einer eigenen "Kultur", uns häufig fremd und einfach nicht für´s Reiten und die menschlichen Bedürfnisse gemacht. Ich glaube, diesen Aspekt müssen wir uns immer wieder vor Augen halten und das viele Probleme aus Missverständnissen entstehen. Nach meiner Erfahrung sind Pferde hoch soziale Tiere, die versuchen gut mit uns auszukommen. Nur häufig können wir es einfach nicht erkennen...Diese Problematik läßt sich unter anderen aber auch entschärfen. Der Mensch sowie das Pferd lernen die andere Spezies von klein auf kennen. Das Pferd lernt schon als Fohlen früh den Menschen in seiner Andersartigkeit kennen und ihm zu vertrauen und der Mensch sollte das Gleiche tun! Auf diesem Weg haben es Mensch und Pferd einfacher miteinander.

Zu b)

Junge Tiere brauchen so wie junge Menschen Erziehung. Einen Teil sollte man getrost älteren Pferden auf der Weide überlassen. Doch es ist auch ungemein wichtig, dass das junge Pferd im Umgang mit dem Menschen lernt wo seine Grenzen liegen. Hier ist eine klare Struktur, sanfte Konsequenz und Routine wichtig. Das schafft Orientierung und Vertrauen im Trainingsverhältnis. Wichtig ist dabei immer zu berücksichtigen, dass ein Pferd ein völlig anderes Lebewesen ist als wir und damit viele Situationen völlig anderes empfindet und damit auch für sich bewertet.
Wenn wir trainieren ist der pädagogische Teil immer zu berücksichtigen. Doch es erweist sich als schwierig, das zum Hauptaugenmerk zu machen, da wir unser Trainingsziel aus den Augen verliegen und häufig versuchen die Natur des Pferdes zu verändern.
Ergo: Mit einfließen lassen ja (sehr wichtig), doch nicht hier verrennen. Das geschieht gerne mal, wenn Probleme entstehen...

Zu c)

Und nun kommen wir zu dem "technischen Teil" der Ausbildung. Wir wünschen uns, dass unser Pferd einige Lektionen beherrscht (z. B. Stoppen).  Es geht also darum "Wissen ins Pferd zu bekommen". Hierfür können unterschiedliche Methoden verwendet werden. Es gibt keine gute und keine schlechte Methode. Doch keine Methode kann fruchten, wenn Einzelkomponenten nicht logisch aufeinander aufgebaut sind, damit das Pferd versteht, was wir von ihm möchten. Die Methode muß also unter Umständen dem jeweiligen Pferd angepasst werden um Platz  für seine Persönlichkeit zu lassen. Ergo funktioniert eine Methode nur mit Gefühl für das jeweilige Pferd und die jeweilige Situation. Sonst verkommt eine Methode zur leeren Hülle, der sich das Pferd anpassen muß. Ob es das immer schafft ist fraglich, denn es könnte ja sein, dass es nicht versteht.

Merke: Eine Ausbildung sollte am Anfang so breit aufgestellt sein, dass zu einem späteren Zeitpunkt zielgenau für die verschiedenen Sparten der Westernreiterei darauf aufgebaut werden kann.



Was kostet mich die Ausbildung eines Pferdes? Und bin ich durch dieses mobile Angebot günstiger als wenn ich mein Pferd zu einem Trainer in den Stall gebe?

Das hängt von den reiterlichen Fertigkeiten sowie dem Ziel ab, welches ich erreichen möchte und lässt sich nicht pauschal beantworten.
Für die Grundausbildung eines jungen Pferdes sollte ich mindestens 3 bis 4 Monate Zeit veranschlagen. Dabei fallen Trainingseinheiten von 3 bis 4 mal die Woche an. Bringe ich mein Pferd dafür in einem Stall unter, wo es auch trainiert wird, fallen schnell mal 700 Euro für Training + Unterbringung pro Monat an.

Im Mobilen Training hängen die Kosten stark von den Gegebenheiten ab. Eine große Rolle spielen hierbei die Fahrtkosten. Bei einer Anfahrt von 50 km lässt sich bei gleicher Leistung mit Sicherheit kein Cent sparen. Kunden aus meiner Nähe sind hier ganz klar im Vorteil.

Geldbeutelschonend kann sich auswirken, wenn der Pferdebesitzer sich an der Ausbildung beteiligt und von mir z. B. nur einmal die Woche gecoached wird.

Ob Reitstall oder Mobil. Das gute ist, das Ausbildung wirklich nachhaltig ist, also eine Investition, welche sich wirklich für ein Pferd lohnt. Denn Gelerntes bleibt im Langzeitgedächnis ein Leben lang erhalten und "verschüttetes Wissen" kann problemlos wieder hervorgeholt werden!



Wie gestalte ich eine Trainingseinheit für das Pferd unter dem Aspekt gelenkschonendes sowie rückenfreundliches Arbeiten  sinnvoll?

Nach wie vor ist Boxenhaltung die Standardhaltungsform für Pferde. Die meisten Menschen denken nicht darüber nach, was diese Tatsache für das Lauftier Pferd bedeutet, und ich möchte die negativen Folgen an dieser Stelle nur an diesen zwei Aspketen  für die Gesundheit Eures Pferdes aufzeigen - auf alles andere möchte ich an späterer Stelle noch eingehen:

Pferde bewegen sich in der Natur ca. 16 Stunden am Tag im Schritt fressend vorwärts. Trab und insbesondere Galopp spielen in der Natur im Tagesablauf eine untergeordnete Rolle. Durch die gleichmäßige und ruhige Bewegung im Schritt sind Muskeln, Sehnen und Gelenke dadurch ständig beansprucht, trainiert und vor allem "geschmiert". Die Rückenmuskulatur in dieser Bewegung nach oben gewölbt.

In der Box steht das Pferd auf einem Fleck. Es ist in aller Regel nur möglich einen Schritt nach vorne, einen Schritt zurück und einen Schritt zur Seite zu machen. Dies stellt eine enorme Belastung für die Gelenke dar. Wenn wir dann unser Pferd aus der Box holen und auf den Reitplatz "werfen", um sie dann eine Runde im Galopp drüber zu scheuchen, tun wir den Gelenken unseres Pferdes keinen Gefallen. Die Gelenkkapseln müssen sich erst wieder füllen und das klappt nur in langsamer und ruhiger Bewegung. Optimal ist also vor dem Training eine Stunde Bewegung im Schritt (z. B. in einer Führanlage) oder zumindest selbst eine halbe Stunde Schritt zu reiten. 10 Minuten reichen dabei absolut nicht aus! Erst dann beginnt die aber immer noch lösende Arbeit in allen 3 Gangarten sinnvollerweise - vorwärts abwärts-.
So aufgewärmt, kann anschließend - entsprechendes Training vorausgesetzt - an einzelnen Lektionen wie Spins, Rollbacks oder im Englischen an der Versammlung garantiert ohne gesundheitliche Beeinträchtigung für Rücken und Gelenke gearbeitet werden.


Wie muß der perfekte Reitplatz aussehen?

Eine Fachtagung welche im Juni 2010 in Rommerskirchen Sinsteden im Landwirtschaftlichen Museum statt gefunden hatte gibt über die Problematiken nähere Auskunft


Fachtagung Reitplatzbau



Interessante Entdeckung

Das Genom des Menschen ist dem Genom des Pferdes ähnlicher als dem des Hundes! Man hat die DNA verglichen und festgestellt das die Übereinstimmung Pferd - Mensch zu 50% beträgt und die Übereinstimmung Hund - Mensch nur 30% beträgt.

Also doch nicht Mensch, das Raubtier ;-)

Nähers hier:      Genom: Mensch mehr Pferd als Hund